Der durchschnittliche Lottomillionär ist nach etwa sieben Jahren wieder pleite. Und viele Networker, die einmal groß verdienen, laufen in exakt dieselbe Falle. Robert Pauly und ich haben in einer Podcast-Folge auseinandergenommen, warum das so ist, und was du dagegen tun kannst. Vorweg, weil es hier oft missverstanden wird: Es geht nicht um Einkommensversprechen. Es geht um Persönlichkeit.
Der Lifestyle, der an das höchste Einkommen andockt
Ich habe früher einen jungen Mann in einem anderen Unternehmen erlebt. Er baute fleißig eine Organisation auf und verdiente eine Weile richtig gut. Kaum war das Geld da, mietete er ein Penthouse, leaste einen Sportwagen, kaufte Uhren, Markenklamotten, First-Class-Flüge. Irgendwann stieg er aus. Heute hat er nichts mehr.
Das ist kein Einzelfall, das ist ein Muster: die Anpassung des Lifestyles an das Einkommen. Und was gerade im Network unterschätzt wird: Es ist Vertrieb. Vertrieb ist immer umsatzgebunden. Es wird Höhen und Tiefen geben, das ist völlig normal. Niemand im Vertrieb verdient dauerhaft dasselbe. Wer sein Leben am höchsten je erreichten Monat ausrichtet, baut auf einem Fundament, das zwangsläufig irgendwann wegbricht.
Charlie Munger, Warren Buffetts Partner, nannte das Konsuminflation: Mit mehr Geld steigen automatisch die Kosten. Aus dem kleinen Auto wird das mittlere, dann das große. Der Dreh: Sobald das Einkommen einbricht, ist die Fixkostenlast oben geblieben. Und dann ist jemand mit einem Einkommen pleite, von dem andere träumen.
Warum Lottogewinner scheitern, und was das mit dir zu tun hat
Die Parallele zum Lottomillionär ist kein Zufall. Eine große Untersuchung zeigte: Im Schnitt sind diese Gewinner nach sieben Jahren wieder pleite. Und zwar nicht nur die mit einer Million, auch die mit zwanzig oder dreißig.
Der Grund ist nicht, dass es schlechte Menschen sind. Der Grund ist: Sie sind nie zu der Persönlichkeit geworden, die mit Geld umgehen kann. Erst kauften sie alles Materielle, von dem man als Normalverdiener träumt. Dann kamen die Leute aus dem Umfeld, die etwas brauchten, und sie verschenkten Geld, das nie zurückkam. Es fehlte das Wissen und die innere Größe, auch mal nein zu sagen und zu den eigenen Werten zu stehen.
Genau da liegt der Punkt. Geld verstärkt nur, wer du schon bist. Wer vorher nicht gelernt hat, mit Verlust und mit Versuchung umzugehen, wird durch mehr Geld nicht plötzlich weise. Er wird nur schneller pleite. Ich kenne übrigens beide Seiten. Ich war erfolgreich und danach komplett am Boden. Wer den Umgang mit Verlust einmal gelernt hat, gerät beim nächsten Mal nicht in Panik. Das ist keine schöne Lektion, aber eine, die trägt.
Zehn Goldstücke, neun ausgeben
Die konkrete Regel dagegen ist uralt und stammt aus dem Buch „Der reichste Mann von Babylon”. Das erste Gesetz des Goldes lautet: Wenn du zehn Goldstücke einnimmst, gib nur neun aus.
Verdienst du netto tausend, behandle es, als hättest du neunhundert bekommen. Die hundert sind kein Rest, sie sind dein Investment, und sie werden nicht angefasst. Mit wachsendem Einkommen werden aus diesen zehn Prozent irgendwann zwanzig, dreißig, vierzig, weil du gar nicht mehr brauchst. Buffett hat aus einem Schneeball über Jahrzehnte eine Lawine gemacht, indem er fast alles zur Seite legte und kaum etwas ausgab. Das ist unspektakulär. Genau deshalb funktioniert es.
Die beste Investition ist immer dieselbe
Wohin also mit den zehn Prozent? Meine klare Antwort: zuerst in dich selbst. Das hat immer den besten Return.
Aber Achtung, hier machen die meisten den Denkfehler. Investition in dich funktioniert nur über Produzieren, nicht über Konsumieren. Wer ein Seminar nur anhört, hat keinen Lerneffekt. Erst wenn Information auf Aktion trifft und daraus Emotion entsteht, lernst du wirklich. Zwölf Podcasts nebenbei zu hören ist Konsum. Eine einzige Sache umzusetzen ist Investment.
Und noch etwas: Kenn den Unterschied zwischen Investition und Spekulation. Ich war früher dem schnellen Geld hinterher, habe mit dem falschen Einsatz über Nacht viel gewonnen und Tage später fast alles wieder verloren. Heute bin ich Freund von stabilen, ehrlich gesagt richtig langweiligen Anlagen. Langweilig ist in diesem Fall ein Kompliment.
Die Maske kostet am meisten
Bleibt der soziale Druck, Erfolg zeigen zu müssen. Dahinter steckt der Diderot-Effekt: Ein neuer Morgenmantel lässt die alten Pantoffeln schäbig wirken, dann den alten Mantel, dann das Sofa. Eine ganze Kette von Folgekäufen, ausgelöst von einem einzigen Ding. Genauso macht die teure Tasche das schlichte Portemonnaie daneben unmöglich.
Die Kunst ist, das erste Glied dieser Kette zu erkennen und nein zu sagen. Ich trage auf großen Events bewusst einen guten Anzug, damit ihr ihn seht, nicht ich. Privat laufe ich in Boardshorts und Flip-Flops herum. Ich habe sogar Freude daran, mir Dinge gezielt nicht zu kaufen. Denn die Maske, die anderen Erfolg vorspielt, ist am Ende das Teuerste, was du dir leisten kannst.
Standards vor Strategie, Werte vor Volumen. Das gilt beim Aufbauen genauso wie beim Verdienen. Frag dich beim nächsten größeren Kauf ehrlich: Kaufe ich das für mich, oder kaufe ich es, damit andere es sehen? Deine Antwort entscheidet, ob du in sieben Jahren noch da bist.