Du musst nicht jeden Menschen mögen, mit dem du im Network zusammenarbeitest. Aber du musst verstehen, warum dein Business ohne rote, gelbe, grüne und blaue Persönlichkeiten schlicht nicht funktioniert. Robert Pauly und ich sind in einer Podcast-Folge über die Verhaltenstypen auf ein paar Erkenntnisse gestoßen, die zu wichtig waren, um sie liegenzulassen.
Warum du wirklich alle vier brauchst
Der zentrale Punkt, den ich nicht oft genug betonen kann: Du brauchst alle Typen. Einen roten, einen gelben, einen grünen, einen blauen, wie auch immer du sie nennst. Fehlt einer, fehlt eine ganze Funktion in deinem Team.
Ein gelber Typ, den manche liebevoll „Glitzereinhorn” nennen, wird nie die ruhige, tragende Brücke bauen. Dafür ist er nicht da. Aber er sorgt als Stimmungsmacher dafür, dass Menschen sich wohlfühlen. Der grüne Typ landet eher dort, wo Beziehung und Fürsorge zählen. Der rote treibt an und trifft Entscheidungen. Der blaue bringt Struktur und denkt Dinge zu Ende.
Diese Unterschiede sind kein Problem, sie sind dein eigentliches Kapital. Ich beschreibe mich selbst als hochrot, aber funktional, mit einem starken Gelbanteil, also fast orange. Robert ist eher grün und blau, der Menschenhelfer, der sich auch mal verzettelt, weil er Leuten helfen will, die es gar nicht so dringend brauchen. Im Podcast ergänzen wir uns perfekt: der eine kurz und knackig, der andere durchstrukturiert und vorgeplant. Genau die Mischung macht ein Business stabil.
Ändere nicht deinen Typ, lerne die anderen Sprachen
Und jetzt der wirksamste Hebel. Er ist kein Persönlichkeits-Umbau. Du sollst nicht dein Wesen ändern, sondern die Sprachen der anderen Typen lernen. Du trägst ohnehin alle Anteile in dir.
Die Aufgabe ist nur: Erkenne grob, wen du vor dir hast, und lass dich darauf ein. Sitzt dir jemand sehr Gelbes gegenüber, redest du automatisch schneller, lebendiger, mit mehr Schwung. Hauptsache, der Fluss bricht nicht ab. Ist dein Gegenüber analytisch und blau, sprichst du langsamer und gehst stärker auf die einzelnen Punkte ein. Eine andere Kadenz, ein anderes Sprachmuster, derselbe Kern.
Dass das funktioniert, weiß ich von mir selbst. Ich bin selektiv extrovertiert: Unter Freunden gehe ich voll auf, unter Fremden muss ich mich überreden. Auf meinen ersten Seminaren bin ich bewusst in eine Rolle gerutscht, und konnte das. Das kann übrigens jeder. Einige der erfolgreichsten Networker der Welt sind massiv introvertierte Menschen, die einfach gelernt haben, im richtigen Moment selektiv extrovertiert zu sein.
Dazu kommt eine konkrete Technik: das Spiegeln, im NLP „Mirroring”. Nimmt dein Gegenüber die Hand ans Kinn, machst du es unauffällig nach, und unbewusst entsteht Verbindung. Warum überhaupt eine Technik? Weil das in der Natur ganz von allein passiert, sobald dir jemand sympathisch ist. Geh auf eine Feier und schau vier Leute an einem Stehtisch an: Wenn sie sich verstehen, stehen sie alle in derselben Pose. Robert nennt das schön „Lernen durch Osmose”: In funktionierenden Teams werden Menschen sich mit der Zeit ähnlicher, in Sprache, Kleidung, Auftreten.
Warum du manche Menschen nicht leiden kannst
Diese Ähnlichkeit hat eine Kehrseite. Wir neigen dazu, Menschen abzulehnen, die anders sind als wir. Robert erzählt eine Geschichte, die er seit fast dreißig Jahren nicht vergessen hat. Ein Bekannter sagte ihm damals: Es gibt nur zwei Gründe, warum du jemanden nicht leiden kannst.
Erstens: Die Person hat eine Eigenschaft, die du gerne hättest, aber nicht hast. Zweitens: Die Person hat eine Eigenschaft, die du selbst hast und an dir nicht leiden kannst.
Das Blöde daran ist, dass wir diesen Gedanken meist verdrängen. Dann ist uns weder klar, warum wir jemanden ablehnen, noch welche Eigenschaft wir uns eigentlich wünschen oder loswerden wollen. Die Lösung liegt im Bewusstsein: Je klarer du dein eigenes Muster erkennst, desto weniger urteilst du ab und desto mehr Verständnis entwickelst du, für andere und für dich.
Im Network ist das doppelt relevant. Denn jede neue Beziehung startet mit einem kleinen Pflänzchen Vertrauen, das gepflegt und gegossen werden muss. Verlass dich nie darauf, dass der andere schon weiß, wie du etwas gemeint hast. In den meisten Fällen weiß er es eben noch nicht.
Der praktische Schluss
Wenn du mit einem bestimmten Typ nicht klarkommst, hol jemanden dazu, der es kann. Kommst du mit dominanten roten Persönlichkeiten nicht zurecht, hast aber eine funktionale rote Upline, dann bau sie von Anfang an ein und stell sie groß heraus. Das ist Edifizieren, ein Werkzeug mit unglaublicher Kraft, das im Network viel zu selten genutzt wird.
Der Grund, warum wir es vernachlässigen, ist menschlich. Gerade am Anfang, wenn das Ego noch etwas schwächer ist, wollen wir uns selbst darstellen, statt andere in den Vordergrund zu rücken. Robert ertappt sich selbst dabei und muss sich innerlich bremsen: „Pauly, halt dich am Rand, die andere Person ist dran.”
Denn Edifizieren wirkt gleich doppelt. Du gewinnst Menschen, bei denen du selbst nie landen würdest, weil sie sich mit der vorgestellten Person identifizieren. Und du kannst umgekehrt das Gas rausnehmen, wenn eine laute rote Upline einem neuen Partner zu viel wird und du als ruhiger Typ für Ausgleich sorgst.
Frag dich heute: Welchen Typ hast du in deinem Team gar nicht, und welche Funktion fehlt dir deshalb? Die ehrliche Antwort zeigt dir, wen du als Nächstes suchen solltest.